Von Heiligen, Fischen und der ganzen Verwandtschaft

Fluchen: Romanische Sprachen vs. Deutsch

Fluchen. Man könnte meinen, etwas so Ursprüngliches drücken alle gleich aus, aber schon nur zwischen den Sprachen Deutsch, Italienisch und innerhalb des Spanischen selbst zeigen sich Unterschiede.

Europäisches Spanisch

Me cago en la puta madre de Jesús, en su padre y en toda su jodida corte celestial!” was in etwa “ich scheisse auf die verdammte Mutter Jesu, auf seinen Vater und auf seine ganze verdammte himmlische Gefolgschaft!” bedeutet, zeigt, wie wichtig es ist, in Spanien grobe Kenntnis des Katholizismus zu besitzen, wenn man flucht. Im Grunde scheisst man auf alles: Heilige, Essen, Körperteile und/oder Verwandtschaft des Gegenübers. Oft wünscht man dem Beleidigten auch sexuelle Erfahrungen mit Tieren, wie etwa “que te folle un pez” (möge dich ein Fisch ficken) beweist.

Kolumbianisches Spanisch

Ein Wörterbuch reicht einem als Deutschsprachigem in Kolumbien gut aus: Ein Grossteil der dort gebräuchlichen Fluchwörter sind auch hier gebräuchlich, obwohl es bei manchen Wörtern auf die Gegend ankommt, ob zum Beispiel “marica” Kumpel (wie in Medellín) oder Schwuchtel (wie eigentlich im Rest des Landes) heisst. Ausserdem kann man Dinge wie “jueputa” (Hurensohn), “hijoemadre” (Muttersöhnchen) oder “la gorda” (die fette Frau) auch ausrufen, wenn eine Situation und keine Person gemeint ist, wie wenn man im Deutschen Scheisse oder Fuck sagt. In Kolumbien sagt man auch viel lieber puta(/-o), um etwas als unerfreulich zu beschreiben, was wörtlich dem schweizerischen “huere” entspricht.

Italienisch

Das Spezielle im Italienischen ist, dass der Fluchwortschatz riesig ist. Es gibt unzählige Kombinationen, darunter sehr kreative. Dabei geht es von “piú scemo non potevi nascere” (dumm geboren, nichts dazugelernt) bis zu “puzzi come la fogna” (du stinkst wie die Kanalisation). Um eine Beleidigung jedoch auf den Punkt zu bringen, wird immer gegen die Verwandten (Mutter, Vater, auch schon Verstorbene) vorgegangen: “figlio di puttana” (Hurensohn) oder ganz ausgefeilt: “li mortacci tua, de tuo nonno, de tua madre e de ¾ da palazzina tua” (Fick deine toten Verwandten, und die deines Großvaters, und die deiner Mutter, und die von drei Vierteln deines Wohnblocks). Am häufigsten, auch nur als Ausruf gebrauchte Fluchwörter, sind jedoch “cazzo” / “minchia” (Schwanz) und “merda” (Scheisse), oft in Kombination mit Gesicht oder Stück. Auch im erzkatholischen Italien dürfen natürlich die blasphemischen Ausrufe nicht fehlen, wie “porco dio” (wörtlich: Schweinegott, im Sinn von verdammter Gott).

Vergleich zum Deutschen

Im (europäischen) Spanischen und Italienischen kann man im Gegensatz zum Deutschen (und dem kolumbianischen Spanisch) Fluchwörter wie “puta” oder “porco” einfach als negatives Adjektiv für Anderes verwenden, was man dann nicht wörtlich, sondern eher mit verdammte(-s /-r) übersetzen sollte. Ausserdem sind die bildhaften, fast schon poetischen italienischen/spanischen Beleidigungen und Ausrufe trotz des grossen Fluchwortschatzes gespickt von den etwa immer gleichen Fluchwörtern, während das einsilbigere Deutsche eher auf den grossen Wortschatz auf Exkremente und Sexuelles fokussierter Fluchwörter zurückgreift.

Fazit: Egal, wie beleidigend man auf Deutsch wird, auf Italienisch und Spanisch kann man immer etwas noch viel Schlimmeres basteln.

Tomás Recke & Andrea Pezzoni

Quellen:

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